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Hermes Villena , “The Nature Of Adaptation ”, Review

Hermes Villena

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Hermes Villena, The Nature of Adaptation, 2015

Ein Foto im Holzrahmen, das Motiv zeigt ein Detail verlassenen Gebäude im wirtschaftlichen Zentrum São Paulos: Eine von diagonalen Linien unterbrochene Betonwand, vor die sich fingerhaft aufragende Kakteenarme schieben. Zwei schwarz lackierte Steinbrocken, reliefierte Trümmer aus dem ehemaligen Kölner Club „Stecken“, stehend und liegend drapiert auf einem kreisförmigen Sockel, mit hellem Filz überzogen. Ein weiterer solcher Sockel, diesmal langrechteckig, mit einem Ensemble aus zwei roten Hohlziegeln die eine blaue Isomatte einfassen, von einem Ledergürtel umschnürt. Ein an die Wand montiertes Regalbrett, das eine Plexiglasplatte inklusive Schutzbeschichtung trägt, die ihre Herkunft verrät; darin eingelassen ein arbeitender Ventilator, eingesetzt zur Belüftung von Computern und entfernt an Duchamps Rotoreliefs erinnernd. Hinzugesellt eine gläserne Stele, die sich als ein Flaggenhalter ohne Flagge entpuppt.

Diese vier Elemente befinden sich in einer Kommunikation miteinander, in der sich immer wie-der neue Paare zusammenfinden. Ihr Zusammenspiel fragt nach einer Entsprechung der Formen, aber auch nach einer Entsprechung der mit ihnen verknüpften Bedeutungen, etwa in der Gegenüberstellung von Ziegeln als Material zum Bauen und bereits verbautem, nun verfallenem Material, zukünftiger und ehemaliger Behausung, Transit. Die sich aufbauenden Assoziations-ketten sind eingespannt in dieses vergleichende Sehen, das gerahmt wird von dem Titel als fünftem Element: The Nature of Adaptation, das Wesen der Anpassung. Er verstärkt den Aspekt des Zusammengeklaubten, der sich bei der Ansicht dieser verschiedenartigen Komponenten ergibt: Gefundenes oder Gekauftes, mitgenommen als Foto oder als Objekt selbst, zusammengestellt in und zu dieser Kompositstruktur, die sie in ihrer Verschiedenartigkeit einander gegenüberstellt und ihnen ein neues Leben, neue Bedeutung verspricht abseits von dem, was als ihre ursprünglichen Stand- oder Einsatzorte bezeichnet werden könnte.

Der Bildausschnitt ist gewählt, die Oberfläche verändert, die Objekte zusammengestellt, die Auswahl hergestellt: Das Ausgestellte hat seine Momente der Anpassung bereits erfahren, wie es, so suggeriert der Titel, in seinem Wesen als Ausgestelltes liegt. Die unterschiedlichen Arten, auf die das geschah, verhandeln traditionelle wie zeitgenössische Arten der Adaptation von Dingen, die einem begegnen, der Einverleibung in einen Prozess der Kreation. Villena geht es hier um die Art und Weise der Behandlung der Dinge selbst: Anpassung als Überlebensstrategie im Alltag wird erweitert zu Anpassen als künstlerische Handlungsweise im Umgang mit Dingen, die auf einen zukommen. Außerhalb von positiven oder negativen Konnotationen wird das Anpassen so als gestaltender Prozess begriffen, der eine solche Umwandlung als Tatsache begreift. Veränderung, sagen die angepassten Elemente, impliziert immer Gewinn und Verlust zugleich.

Jenny Dirksen.

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