comment 0

Dennis Freischlad / Requiem (take one)

Ich fuhr. Wo das Land
zu Ende ging kam ich unter
nahm die Segel ab und zählte die Groschen.

Einen Taler für Monde
die schweigend die Wellen vorantrieben, den anderen
für zu Seefahrerschnaps zerflossene Sonnen
Diener des Lichts und Geklimper
der morschen Kisten und Worte, der
Rechenmaschine groß
die Zähne mahlt und schluckt ohnegleichen.

Es dämmerte, und bei Nacht
verschwanden die Taler. Ich legte mich
in die Handvoll Sand, die mein Hosenbein hergab
schlug die Augen auf und träumte die Wege noch einmal:

Eine Frau
schwenkte das Zündholz ewigen Feuers
in üppigen Wäldern bei Tag und bei Nacht; ein Mann
lud sich den Ölzweig von Küste zu Küste.
Ich hielt Rast in Suppenküchen aus schwarzem Pfeffer
man hieß mich Willkommen im Aufgang der Berge
und die Augen der Tiere legten sich zu mir in den Schlaf.
Allerhand Nebel ließ mich singen und quaken
von des entschwundenen Gottes großer Gebühr.
In den Lachstuben sagbarer Köpfe saß ich
im Schatten meiner blauen Tinte, und immer wieder
fuhren die Schiffe frisches Papier in die Häfen.
Ich tauschte meine Namen gegen klangbares Salz
und die Gebete derer, die sich einfanden
in Rosmarin und weißem Zimt; als Krumen
und um nicht zu sagen
wo ich herkam oder was kommen wird
schwenkte ich Flaggen im morgenblauen Tau
und stieg erneut in die Tamarindbäume
hinaufgetragen durch Dieselfahnen und Mohn.
So lauschte ich dem Shiva-Singsang
der zum Abschied gewandten Geburten
der letzten Sonne Verse Ja und Amen
und delphische Tempel rollten den Rauch hinunter ins Tal.
Den richtigen Ton treffend verschwieg ich
eine geliebte, meine niemals unbewohnte Erde.

Ich fuhr, und wo die Nacht
zu Ende ging kam ich unter.
Keine Groschen blitzten im Sand.
Doch wahrlich, ich wusste Segel zu setzen
und hörte mich singen von Licht.

What do you think?


Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.